Völpke und der Priester im Häftlingskleid

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Gestern besuchte ich Frau Helene Müller im Kardinal.Jaeger-Haus, um ihr zu ihrem 88sten Geburtstag zu gratulieren. Frau Müller ist in Völpke geboren und hat dort die allermeiste Zeit ihres Lebens zugebracht. Sie erzählte mir von der damaligen katholischen Schule in Völpke, vom täglichen Meßbesuch und auch von einem Pfarrer Vogt, der im KZ umgekommen sei.

Im deutschen Martyrologium des 20. Jahrhunderts finde ich ihn: Pfarrer Gustav Albert Vogt, Priester des Bistums Fulda, geb. am 9.4.1890 in Küllstedt (Eichsfeld), gestorben am 12. Juli 1942 im KZ Dachau. Sicher ist Frau Müller eine der letzten, die ihn noch persönlich aus Völpke kannten.

Pfr. Vogt war von 1917 bis 1930 Pfarrvikar in Völpke. Von Weihnachten 1915 bis August 1917 war er Vikar in Hötensleben.

Dann kam er nach Deuna in seine Eichfelder Heimat. Die Nazis machten ihn bald als einen Feind ihrer Ideologie und ihres verbrecherischen Regimes aus. Vogt war ein echter Seelsorger und setzte starke Akzente im religiösen Leben. Er stellte außerhalb des Ortes ein 15 m hohes Steinkreuz auf, das Dünkreuz, noch heute weithin sichtbar. Tatkräftigkeit und strenger religiöser charakterisierten ihn. Für schlechte Wahlergebnisse der NSDAP machte man ihn und sein Wirken als Ursache aus. 1937 wurde ihm die Lehrerlaubnis für die Schule entzogen. Ein erster Verhaftungsversuch scheiterte an der geschlossenen Haltung der katholischen Dorfbevölkerung. Aber am 9.10.1940 wurde er während des Beichthörens in der Filiale Vollenborn von zwei Beamten der Gestapo abgeholt. Ein Lehrer hatte ihn wegen regimekritischer Äußerungen angezeigt.

Ein Mitgefangener in Dachau, Kpl. Albinger berichtete: „Pfarrer Vogt wohnte in Dachau auf dem Priesterblock 26, Zimmer 3. Arbeiten mußte er in der Plantage. Durch die starke Unterernährung zeigten sich an seinem Körper starke Hungerödeme. In den letzten Tagen vor seinem Tod konnte er nicht mehr allein gehen. Er wurde von uns getragen. Schon sterbend wurde er ins Revier eingeliefert und erst jetzt aufgenommen, wo er nach wenigen Tagen dem Hungertod erlag… Wir feierten in Dachau ein Requiem für den Verstorbenen. Eine Ansprache zeichnete Gustav – so war er bei allen bekannt – als ‚Priester im Häftlingskleid’. Mehr als um manch anderen Priester wurde unter den Häftlingen um Pfarrer Vogt getrauert. Ein Beweis für die Liebe und Anhänglichkeit, die er sich durch seine stille Art erworben hatte. Er hat bis zum Tod der Diözese Fulda alle Ehre gemacht.“

Die Zeiten haben sich geändert. Heute stehen wir als Christen vor anderen Herausforderungen. Aber Geradlinigkeit, Treue, Liebe bis zur Hingabe des Lebens, das sind Tugenden, an denen wir uns auch heute ausrichten müssen. Zeugen wie Pfr. Vogt dürfen wir nicht vergessen, sondern wie die ersten Christen sollten wir unsere Märtyrer ehren und um ihre Fürsprache bitten, damit auch wir heute die Kraft haben, unser Zeugnis für Christus zu geben.

 

Literatur: Zeugen für Christus, Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrunderts, Paderborn 2000, Band I, S. 238-241